Divina Commedia
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[english translation coming soon]

"Die Bildfläche wurde zum Tätigkeitsgebiet der malerischen Kräfte", sagt Haftmann über Pollock, "Die Vitalität der Linie schuf dieses Kraftsfeld, und stellte wie ein seismographisches Diagramm die Energien und die inneren Zustände desjenigen der sie zeichnete dar. Die Bildfläche wurde unmittelbare Projektion der Spannungen der menschlichen Seele. Das Bild wurde nicht wirklich gemalt:das Bild wurde, entstand."
Das sind Überlegungen und Erläuterungen, die auch ein Schlüssel für Rinaldis Schaffen, in seiner achtsamen und motivierten Suche, sein könnten.
Die Formen verschwinden, die figurativen Schemas und der eigentliche Wille der Figuration lösen sich auf. Man versucht nicht mehr die Realität darzustellen. Auf der Leinwand bleiben instinktive Zeichen, die harmonische Eingebung der Farben, die Gefühle vermitteln. Und , immer mehr, sucht und verlangt man einen teilnehmenden Zuschauer, einen zum künstlerischen Phänomen dazugehörenden Zuschauer.
In unserer begeisterten und zerrissenen Zeit, sind die Künstler (und die Dichter) dem Komet der zu einem neuen Prozess der Kommunikation und des Lernens führen musste, gefolgt. Und auf dem Höhepunkt des Erneuerungsfiebers (bis zur totalen Entwicklung der Beziehung zwischen Autor und Empfänger), hat eine totale Verschmelzung stattgefunden. In der Dichtung sind Farbe und graphisches und typographisches Scanning eingeflossen; in der Malerei die Musik; in der Bildhauerei hat die Cinématik die Statik ersetzt.

Auch wenn man jetzt wieder grössere Zustimmung und einen sicheren Zugang sucht, hat die Erneuernde Erfahrung eine Aufklärend Rolle. Und man geht weiter, man geht nicht zurück. Für Rinaldi ist die Beziehung zur Musik klar. Auf seinem Grund fliessen verborgene Rhythmen, wie unterirdische Ströme in der Musik von Debussy.
Die kulturelle Vertiefung war schon immer, und bleibt, die Grundlage der Kunst. Aber die zeitgenössische Kunst hat deren Wichtigkeit hervorgehoben, auch auf Kosten der Meisterheftigkeit der Ausführung, des Berufes.

Die neue Sprache ist nicht dunkel, wie viele sie bezeichnen. Sie ist einfach und klar. Es ist nur, dass man mit ihr nicht die gleichen Dinge wie früher sagen will. Man will sogar nicht Dinge mit einem vollendeten Sinn sagen;sondern man will dem Leser eine Spur für eine Reihe von Gefühlen und Überlegungen geben; vielleicht, um nochmals zur musikalischen Sprache zurückzukehren, Variationen über ein Thema.

Marco Rinaldi 1967 in Modena geboren, aber schon seit langem am -von Puccini und den Malern der "Macchia" beliebten Lago di Massaciuccoli wohnhaft- hat nach der Erlangung der naturwissenschaftlichen Matura, an der Accademia di Carrara Bühnengestaltung studiert. Jetzt studiert er Architektur in Florenz.

Ich habe seine zauberhaften "vetrate" (Glasfenster) an der Studio-Ausstellung mit den Bildhauern Anca Marina Bors und Giovanni Furno gesehen. Ueber ihn und seine Freunde haben im Juli , Tommaso Paloscia und Dino Carlesi gesprochen, insbesondere über den szenografischen Sinn dieser seiner Erfahrungen.

Ich habe dann seine "Vedute" (Sichten) in Livorno und seine "Frammenti" (Fragmente) in Acryll gesehen.
Man hat das Gefühl, dass für ihn das Verlassen des Figurativen wie Meuterei sei; ein sich ins offene Meer stürzen von einem Schiff das die übliche Route fährt, um eine freie und glückliche Insel zu erreichen, die vielleicht nicht einmal auf den Schiffskarten eingezeichnet ist. Das ist zumindest die Hoffnung,denn all das was im Atlas eingezeichnet ist, ist von dieser oder jener Nation eingeengt, man spricht dort nicht mehr die original Sprache, sondern eine offizielle Sprache; und man entdeckt nichts Neues mehr.

Seine Malerei ist darum, mehr als zum bestaunen, zum belauschen. Man muss sich von den "Tourniquets" der Farbe auf den Grund der Dinge führen lassen, an den Ursprung der Gefühle, an eine Art von Kommunion zwischen kreativer Geste und rezeptivem Akt.

Raffaello Bertoli

Riviera della Versilia - novembre 1997


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